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Deutsch: Note 6, setzen – über die Fallstricke bei der Lokalisierung

Author

15 Jul 2011

Robert Brandl

Lokalisierung

Internationalisierung ist im Grunde eine tolle Sache – man nimmt ein bereits erfolgreiches Produkt und lokalisiert es für weitere Märkte.

Soweit die Theorie. In der Praxis hapert es da leider oftmals. Besonders häufig kann man das bei US-Startups beobachten, wie Netzwertig.com bereits feststellte. Benchmark Email, unser Neuzugang in den Vergleichstests, kommt aus dem sonnigen Kalifornien. Auf den ersten Blick wurde alles richtig gemacht:

  • Ein gutes und funktionierendes Produkt wurde erschaffen,
  • man richtete eine Präsenz in Deutschland ein,
  • und bietet deutschsprachigem Support.

Doch leider wurde dabei etwas Essentielles vergessen: eine Übersetzung, die auch nach etwas klingt. Wissen Sie z.B. was mit „Reale Zeit Berichte“ gemeint ist? Hm… ja klar: „Statistiken in Echtzeit“ vermutlich. Aber blöd, wenn man das erst einmal im Kopf von Roboter-Deutsch nach Englisch und dann wieder in deutsches Deutsch umwandeln muss.

Im E-Mail Marketing ist ein Hard Bounce auch auf Deutsch eine feste Begrifflichkeit. Nur wenn man daraus „Harte Zurücksendungen“ macht, weiß wohl niemand mehr, was damit gemeint ist.

Leider ist die Website und auch das Interface übersät mit solchen, kleinen und großen Fehlern. Der Verdacht liegt nahe, dass hier Google Translate oder etwas ähnliches am Werk war.

Auto-Translate: die Roboter ergreifen die Macht

Ein weiteres US-Unternehmen, das mich in linguistischer Weise zuletzt etwas schockierte, ist MailChimp. Eigentlich ein Vorzeigeunternehmen, baute es letztes Jahr ein Feature mit dem Namen „Auto-Translate“ in sein Tool. Damit kann man neben den Anmeldeformularen auch seine gesamte E-Mail Kampagne durch Google Translate übersetzen lassen.

Wer jemals eine Website mit Google Translate übersetzen ließ, weiß wahrscheinlich, dass es ganz gut funktioniert, wenn man lediglich verstehen möchte, was auf der Seite in etwa steht. Doch wer ernsthaft mit seinen Kunden kommunizieren möchte, der sollte davon die Finger lassen. Da schleichen sich teilweise ganz üble Fehler ein.

Warum ich vielleicht ein wenig sensibler auf schlechte Übersetzungen reagiere als andere? Ich selbst gebe gerne gutes Geld für gute Übersetzungen aus. Ja, ich spreche Englisch und habe auch in Großbritannien studiert. Aber kann ich deswegen perfektes Marketing-Englisch? Ich denke nicht. Deswegen lasse ich so gut wie alle Texte für unsere Tochterseite WebsiteToolTester.com von einer professionellen Übersetzerin übersetzen.

Und häufig bekomme ich dann Übersetzungen in wahrer Vollendung: ein Text, der sich sogar besser liest als das Original.

 

P.S. Selbstverständlich hat jeder eine zweite Chance verdient. Sobald Benchmark Email sprachlich nachgebessert hat, sehen wir uns das Tool gerne nochmal an.