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Zustellbarkeit: welche Newsletter-Tools schneiden am besten ab?

Author

11 Dez. 2015

Robert Brandl

newsletter zustellbarkeit

Wer jemals Newsletter über den Mailserver seines Hosting Providers (1&1, Strato, Domainfactory etc.) versendet hat, kennt das Problem: bei größeren Versandzahlen (ab ca. 500) kommt eine Vielzahl der E-Mails überhaupt nicht mehr bei den Empfängern an. Sie werden ganz einfach geblockt.

Warum?

Hauptgrund ist die mangelnde Reputation des Mailservers. Diese Server kann man zwar wunderbar für 1:1 E-Mails nutzen, aber beim Massenversand hört der Spaß auf.

Die Lösung ist ein professionelles Newsletter-Tool, das seine eigenen Mailserver nutzt. Diese sind idealerweise mit Whitelistings ausgestattet und verfügen dadurch über eine solide Versand-Reputation. Diese Reputation muss vom Anbieter laufend geprüft werden, denn sollte über das Newsletter-Tool Spam E-Mails versendet werden, kann dies zu Blacklistings führen.

Welche Faktoren spielen für die Zustellbarkeit eine Rolle?

Grundsätzlich zählen natürlich erst einmal die Inhalte Ihres Newsletters. Verkäufer kleiner blauer Pillen, Kredithaie oder Nigerianische Prinzen haben es im E-Mail Marketing nicht leicht, da bestimmte Begriffe zur direkten Spam-Kennzeichnung führen können. Aber in diesem Test konzentrieren wir uns mehr auf die technischen Aspekte.
Passkontrolle: DKIM und SPF/Sender ID

Was Sie normalerweise selbst unter Kontrolle haben sind die DKIM und SPF/Sender ID Signaturen, die Sie durch Einträge in Ihren DNS-Einstellung der Domain selbst hinzufügen können. Diese Einträge teilen dem Empfänger-Postfach mit, dass es sich um einen korrekten Versand handelt, sprich, dass die genutzte Absenderdomain berechtigt ist als Absender des Newsletters aufzutreten.

Praktisch eine virtuelle Passkontrolle für einreisende E-Mails. Die Newsletter-Tools bieten dafür Anleitungen, die Sie selbst oder Ihr Domainanbieter implementieren können.

Andere Faktoren sind z.B. dass Sie Ihren verwendeten Bildern brav Alternativtexte zugewiesen haben, dass der HTML-Code-Anteil Ihrer E-Mail nicht wesentlich größer ist als der eigentliche Text und dass in der E-Mail keine kaputten oder verkürzten Links (bit.ly etc.) vorzufinden sind.

Doch es gibt ein paar Dinge, die haben Sie selbst nicht unter Kontrolle. Dafür ist allein der Betreiber des Newsletter-Tools zuständig.

Wie kann man die Zustellbarkeit (Deliverability oder auch Spammyness) seiner E-Mails selbst testen?

Vor kurzem bin ich auf ein ausgezeichnetes Tool gestoßen (wir sind schließlich die ToolTester). Es nennt sich Mail-Tester.com:

Mailtester

Damit kann man eine ganze Reihe von Faktoren abchecken und prüfen, ob man selbst und auch ob der Newsletter-Anbieter alles richtig macht. Als Ergebnis bekommt man dann einen Wert zwischen 0 und 10 ausgespuckt, wobei 10 die Höchstpunktzahl ist.

Wir haben über den Zeitraum von einem Monat drei Stichproben für sechs verschiedene Anbieter gemacht, jeweils mit einer HTML- und einer Plain-Text E-Mail.

Hinweis: dieser Test ist keinesfalls wissenschaftlich und basiert einzig und alleine auf dem Mail-Tester.com Tool. Dieses muss nicht unbedingt alle releventen Faktoren enthalten und es kann natürlich auch sein, dass nicht alle Bewertungen korrekt sind. Nichtsdestotrotz zeigt es interessante Einblicke, die jeder selbst für sich bewerten kann.

Hier sind die Resultate:

Anbieter Format Test 1 Test 2 Test 3 Ø Kommentar
Newsletter2Go HTML 10 10 10 10 Überhaupt keine Beanstandungen
Text 10 10 10 10
Clever Elements HTML 9,5 9,5 9,5 9,5 Fehlende Alt-Attribute in den Bildern
Text Es gibt keine reine Text-Version
Mailchimp HTML 9 8 9 8,67 Negativ: Fehlendes Alt-Attribut, „URL listed in the URIBL greylist“, Positiv: Envelope sender domain matches handover relay domain
Text 9,5 9,5 9,5 9,5
Rapidmail HTML 8,4 8,4 8,4 8,4 Negativ: Fehlendes Alt-Attribut (Tracking-Pixel), „URL listed in the URIBL greylist“
Text 8,4 Es gibt keine reine Text-Version
GetResponse HTML 7,2 7,2 7,2 7,2 Abwertung wegen kaputter Links
Text 9,2 9,2 9,2 9,2
CleverReach HTML 7.5 7.5 7.5 7,5 Abwertung wegen Blacklistings und URIBL Greylist
Text 8 8 8 8

Zum Testverfahren:

Die Tests wurden zwischen Oktober und Dezember 2015 durchgeführt. Alle Faktoren, die wir selbst in der Hand hatten (Authentifizierung der Absender-Adresse, Newsletter Inhalte, Alt-Attribute für Bilder etc.), haben wir optimiert, bis es nicht mehr ging. Die Alt-Attribute konnten wir nicht jedes mal hinzufügen, da wir z.B. auf die Trackingpixel keinen Zugriff haben.

Update 27.06.2016 – Ein Wort zur URIBL Greylist, auf der gleich drei getestete Newsletter-Dienste stehen. Auf der Anbieter-Seite steht dazu: „It may include ESPs which allow customers to import their recipient lists and may have no control over the subscription methods. This list can and probably will cause False Positives depending on your definition of UBE/UCE“.
Das bedeutet, dass es die Newsletter-Dienste zulassen externe E-Mail Adressen in das System zu importieren. Per Definition muss das so sein, da Sie sonst keine eigenen Kontakte verwenden könnten. Von daher ein für diesen Test nicht sehr relevantes Signal.

Fazit

Die Siegerkrone dieses Tests geht zweifelsohne an Newsletter2Go. Drei mal erreichten die Berliner mit 10 Punkten die Höchstpunktzahl sowohl bei der HTML als auch bei der Text-Version. Mit durchschnittlich 9,5 Punkten schnitt ein weiterer Newsletter-Dienst aus Berlin, nämlich Clever Elements, fast genauso gut ab.

Generell sind wir sehr zufrieden mit den Ergebnissen: die Marke von 8 Punkten haben nur zwei Anbieter gerissen. GetResponse ließ in der HTML-Version durch merkwürdige Bilder-URL-Strings Federn, die als broken Links gemeldet wurden, und kam lediglich auf 7.2 Punkte. Persönlich würde ich es aber nicht als übermäßig dramatisch bewerten, da die Bilder grundsätzlich korrekt angezeigt wurden .

CleverReach macht zwar grundsätzlich (fast) alles richtig, stand während unseres Testzeitraums aber auf drei Blacklists, die scheinbar zur alle gleichen Prüfgruppe gehören (UCEPROTECT). Diese Blacklisting-Gruppe steht zum Teil in der Kritik, weil sie die Löschung wohl nur gegen Bezahlung vornimmt. Nichtsdestotrotz verwenden scheinbar einige ISP’s diese Blacklist, was folglich zu schlechteren Zustellergebnissen führen könnte (ich verwende hier bewusst den Konjunktiv, bei unseren internen Tests mit verschiedenen ISPs kam alles korrekt an). Trotzdem muss CleverReach hier auf jeden Fall handeln. Wir bleiben am Ball.

Update 27.06.2016: bei unserem letzten Test war CleverReach nur noch auf einer Blackliste.

 

Welche Erfahrungen haben Sie selbst gemacht? Hinterlassen Sie gerne einen Kommentar!

  • Michael Rüdiger

    Danke für den interessanten Artikel.
    Was heißt denn in der Tabelle „Es gibt keine reine Text-Version“?
    Wird die E-Mail nur als HTML-Teil verschickt und nicht als Multipart?
    Ist das ein Problem oder kann man das inzwischen vernachlässsigen, da sowieso jeder HTML anzeigt?

    • Hallo Michael! Freut mich, dass er dir gefällt. Danke!
      Bei Clever Elements und Rapidmail gibt es NUR das Multipart-Format, weswegen auch in textbasierten E-Mails immer HTML-Elemente enthalten sind. Bei Clever Elements ist deswegen z.B. auch immer der Tracking-Pixel zur Ermittlung der Öffnungsrate enthalten – selbst wenn man ein Template ohne Bilder wählt.
      Reine Text E-Mails haben tendentiell eine geringfügig bessere Zustellung, einfach weil weniger Code-Elemente enthalten sind. Von daher ist es generell von Vorteil wenn man die Möglichkeit hat auch Plain-Text Newsletter zu versenden.